Der Oberösterreichische Seniorenbund feiert sein 70-jähriges Bestehen. Im HT1-Podcast spricht Obmann Josef Pühringer über den Wandel des Älterwerdens, die steigende Bedeutung der Generation 60 plus und die Herausforderungen für Senioren in Oberösterreich. Dabei stehen Pensionen, Gesundheit, Digitalisierung und gesellschaftliche Teilhabe im Mittelpunkt.
Senioren heute deutlich aktiver als früher
Vor 70 Jahren galten Menschen mit 70 Jahren oft als alt. Heute habe sich das Bild grundlegend verändert, sagt Josef Pühringer. Die ältere Generation sei länger gesund, aktiver und stärker in das gesellschaftliche Leben eingebunden.
„Wir sind weit vitaler, wir sind am Leben und am Geschehen in der Gesellschaft interessiert und integriert“, betont Pühringer. Senioren seien heute nicht nur Teil der Gesellschaft, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
Mehr Aufgaben für den Seniorenbund
Der Oberösterreichische Seniorenbund stützt sich laut Pühringer weiterhin auf drei zentrale Säulen: Interessenvertretung, Beratung und Gemeinschaft.
Aktuell leben rund 460.000 Menschen über 60 Jahre in Oberösterreich. In den kommenden Jahren sollen weitere 150.000 Personen dazukommen. Damit wachse auch die Bedeutung einer starken Interessenvertretung.
Während früher vor allem Fragen zur Pension im Mittelpunkt standen, unterstütze der Seniorenbund heute verstärkt bei digitalen Themen. Gleichzeitig bietet die Organisation zahlreiche Bildungs-, Sport- und Reiseangebote an. In den 423 Ortsgruppen finden laufend Veranstaltungen statt.
Arbeiten und Engagement über die Pension hinaus
Viele Menschen wollen auch nach dem Pensionsantritt aktiv bleiben. Laut Pühringer engagieren sich zahlreiche Senioren im Ehrenamt, in der Pflege oder in der Kinderbetreuung. Andere möchten weiterhin beruflich tätig sein.
„Sechzig oder fünfundsechzig ist keine Endstation“, sagt der Seniorenbund-Obmann. Die höhere Lebenserwartung verändere die Anforderungen an Politik und Gesellschaft nachhaltig. Während die durchschnittliche Lebensdauer nach dem Pensionsantritt bei Einführung des Allgemeinen Sozialversicherungsgesetzes noch sieben Jahre betrug, liegt sie heute bei rund 22 Jahren.
Digitalisierung bleibt Herausforderung
Besonders bei digitalen Angeboten zeigt sich laut Pühringer ein deutlicher Unterschied zwischen jüngeren und hochbetagten Senioren. Viele Menschen zwischen 60 und 80 Jahren seien mit digitalen Technologien vertraut. Bei den über 90-Jährigen sei der Anteil deutlich geringer.
Deshalb brauche es neben digitalen Angeboten weiterhin analoge Möglichkeiten für ältere Menschen. Niemand dürfe durch die Digitalisierung ausgeschlossen werden.
Pensionen und Gesundheit bleiben Kernthemen
Für die Zukunft sieht Pühringer mehrere zentrale Aufgaben. Dazu zählen eine finanzierbare Pension, ein stabiles Gesundheitssystem sowie die gesellschaftliche Einbindung älterer Menschen.
Kritisch sieht er Situationen, in denen Senioren zwar finanziell zum System beitragen, aber in wichtigen Entscheidungsgremien nicht vertreten sind. Zudem fordert er, Altersdiskriminierung in allen Lebensbereichen zu verhindern.
Trotz aktueller Herausforderungen blickt Pühringer optimistisch nach vorne. Er sieht es als Aufgabe des Seniorenbundes, älteren Menschen Zuversicht zu vermitteln und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.
Oberösterreich, Traun, Bad Ischl
Redaktion: Gerald Schlager
Kamera: HT1 Podcast Studio
Schnitt: Gerald Schlager
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